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Fußball Training & Taktik

Pressing im Fußball: Pressinghöhen, Auslöser, Gegenpressing und Training

Pressing heißt, den ballführenden Gegner gemeinsam unter Druck zu setzen, um den Ball zu erobern. Gelingt das, hängt es an Abständen, Auslösern und Ausdauer.

Zwei Amateurspieler im Zweikampf um den Ball auf Kunstrasen

Kurz gesagt

  • Pressing zielt darauf ab, in Ballnähe Überzahl herzustellen und den Ball zu gewinnen; dafür müssen die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen eng sein.
  • Die drei Pressinghöhen (Angriffs-, Mittelfeld-, Abwehrpressing) unterscheiden sich in Ziel, Risiko und körperlicher Anforderung.
  • Gegenpressing bedeutet, direkt nach dem Ballverlust Druck zu machen; in der Bundesliga-Saison 2010/11 holten die besten Teams den Ball jeweils etwa eine Sekunde schneller zurück als die übrigen Gruppen.
  • Zu forsches Anlaufen ist ein häufiger Fehler: Ein Gegner, der sich aus dem Pressing herausspielt, bestraft fehlende Absicherung.

Was Pressing ist und was es erreichen soll

Pressing bedeutet, dass die verteidigende Mannschaft den Gegner im Ballbesitz früh unter Druck setzt, um ihm Zeit zum Aufbauen zu nehmen und Ballverluste zu erzwingen. Nach DFB-Sportlehrer Ralf Peter zielt es darauf ab, in Ballnähe Überzahl herzustellen und den Ball zu gewinnen. Damit das gelingt, müssen die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen eng gehalten werden.

Pressing ist deshalb eine Teamaktion. Ein Spieler, der allein anläuft, macht den Gegner nicht unter Druck, sondern lädt ihn zum Dribbling ein. Entscheidend ist, dass Ball, Passwege und Anspielstationen gleichzeitig gesichert werden und alle Reihen mitschieben.

Die drei Pressinghöhen im Vergleich

Pressing wird nach der Höhe unterschieden, in der die Mannschaft den Ball zu gewinnen versucht. Spielverlagerung beschreibt drei Formen, vom vorsichtigen bis zum intensivsten Pressing.

PressinghöheZielRisikoAnforderungen
Abwehrpressing (tief)Den Gegner kommen lassen und erst im letzten Drittel Bälle gewinnen; alle zehn Feldspieler stehen kompakt vor dem eigenen StrafraumDer Gegner hat Zeit und Raum im Aufbau; mehr Bälle erreichen die AbwehrketteDisziplin, enge Abstände, sichere Kette
MittelfeldpressingAb etwa der Mittellinie Passwege schließen und den Gegner lenkenRäume hinter der Kette, wenn sich der Gegner herauslöstGute Staffelung, Absprache zwischen den Reihen
Angriffspressing (hoch)Schon die gegnerischen Verteidiger und Torwart unter Druck setzenLücken in ballfernen Zonen; hohe Kette ist anfällig für lange BälleSehr hohe Laufleistung, Aufmerksamkeit, aufrückende Abwehrkette

Beim Mittelfeldpressing steht die Mannschaft nach Peter etwa 15 Meter beiderseits der Mittellinie. Er bezeichnet es als die gängigste Variante. Es bietet auch eine gewisse Flexibilität: Du kannst situativ in ein Angriffspressing gehen oder dich fallen lassen, wenn der Gegner sich aus dem Druck befreit. Das Angriffspressing findet laut Peter sehr hoch und unter intensiver Beteiligung der Offensivspieler statt; Spielverlagerung nennt als Bedingung eine weit aufrückende Abwehrkette sowie viel Ausdauer. Beim Abwehrpressing wartet die Mannschaft in der eigenen Hälfte und lässt mehr Bälle auf die Abwehrkette zu.

Als Beispiele für die Höhen nennt Spielverlagerung Mannschaften unter bekannten Trainern: tiefes Pressing bei Borussia Mönchengladbach unter Lucien Favre, Mittelfeldpressing bei Borussia Dortmund unter Jürgen Klopp, hohes Pressing bei den Teams von Roger Schmidt in Salzburg und Leverkusen. Diese Beispiele helfen als Orientierung, ersetzen aber nicht die Frage, was deine Spieler leisten können.

Pressingauslöser: Wann ihr anlauft

Ein Pressingauslöser ist das Signal, bei dem die Mannschaft gemeinsam anläuft. Ohne Auslöser rennen Spieler zu unterschiedlichen Zeitpunkten, und das Pressing bricht auseinander. Typische Auslöser sind:

  • Rückpass: Er deutet an, dass der Gegner unsicher ist oder neu aufbauen will. Wird der Ball sofort unter Druck gesetzt, kann die eigene Mannschaft kompakt aufrücken.
  • Schlechte Ballannahme oder hoher Ball: Der Gegner hat wenig Zeit zur Kontrolle, ein ungenauer Pass oder ein loser Ball werden wahrscheinlicher.
  • Pass auf den Flügel oder ein erkennbar langsamer Seitwärtspass: Er ist oft vorhersehbar, und der Passweg lässt sich schließen.
  • Spieler mit Rücken zum Spiel: Die geschlossene Stellung eines Anspielpartners ist laut DFB-Sportlehrer Christian Wück oft ein Pressingsignal.
  • Überzahl in Ballnähe: Sind mehr eigene Spieler in der Nähe des Balls, kannst du mehr Raum abdecken.

Diese Auslöser sind in der Trainingspraxis verbreitet und keine Messergebnisse; nur der Hinweis auf die geschlossene Stellung stammt aus dem genannten Vortrag beim Trainerkongress des BDFL. Lege vor dem Spiel höchstens zwei oder drei Auslöser fest, auf die alle reagieren.

Deckungsschatten, Lenken und Kompaktheit

Deckungsschatten und Passwege

Der Deckungsschatten ist der Bereich hinter einem Spieler, in den der Ball nicht direkt gespielt werden kann, weil der Spieler im Weg steht. Wer den Passweg mit seinem Körper verstellt, nimmt Optionen weg, ohne zum Ball zu laufen. Peter beschreibt etwa, die Staffelung so zu erhöhen, dass der Deckungsschatten des Sechsers erweitert wird und der Rückpass sofort unter Druck gesetzt werden kann.

Wichtig ist auch der Anlaufweg: Mit einem leichten Bogen läuft der Spieler den Ball an und schließt den Passweg entlang der Linie. Nicht zu weit nach außen und nicht zu schnell laufen, sonst dribbelt der Gegner nach innen vorbei.

Lenken

Beim Lenken wird der Gegner gezielt in eine Richtung geführt. Im Leistungsfußball ist das Lenken zum Flügel üblich, weil es das Absichern des Tores erleichtert; dort ist der Ball weiter vom eigenen Tor entfernt und die Seitenlinie schränkt die Optionen ein. Im Zentrum entstehen dagegen gute Umschaltmöglichkeiten. Wohin du lenkst, hängt davon ab, wo du den Ball gewinnen willst.

Kompaktheit

Kompaktheit bedeutet enge Abstände zwischen Abwehr, Mittelfeld und Angriff sowie innerhalb der Reihen. Die Ketten schieben gemeinsam zum Ball. Der ballferne Außenverteidiger rückt dabei nicht zu weit ein, um einen Seitenwechsel absichern zu können. Je enger die Reihen, desto kürzer die Wege zur Doppelung.

Gegenpressing: Druck direkt nach dem Ballverlust

Gegenpressing (oder Counterpressing) heißt, nach einem Ballverlust nicht zurückzuweichen, sondern sofort gemeinsam auf den Ball zu gehen. Nach Spielverlagerung hilft das, gegnerische Konter zu vermeiden, den Ball schnell zurückzugewinnen und einen Gegner zu erwischen, dessen Ordnung noch nicht steht. Die Quelle unterscheidet vier Bezugspunkte: Raum, Passwege, Zweikämpfe oder den Ball.

Zum Zeitfenster gibt es Hinweise aus der Forschung:

  • Für die Bundesliga-Saison 2010/11 (306 Spiele) fanden Vogelbein, Nopp und Hökelmann, dass die besten Teams den Ball in jedem Spielstand etwa eine Sekunde schneller zurückeroberten als die übrigen Gruppen. Sie sehen schnelles Zurückgewinnen als wichtigen Faktor erfolgreichen Verteidigens.
  • Forcher u. a. (2023) verweisen auf eine Analyse, nach der vier oder mehr Spieler hinter dem Ball die Defensivumschaltung erleichtern und die Chance auf ein Gegentor stark steigt, wenn der Ball nicht innerhalb von fünf Sekunden zurückerobert wird. Das ist Teil eines Literaturverweises; die Autoren selbst untersuchten Restverteidigung, nicht Gegenpressing.

Die „fünf Sekunden“ sind damit eine Faustregel, kein Gesetz. Im Training setzt du dir besser eine klare Abbruchregel: Gelingt der Ballgewinn nicht schnell, fallen alle gemeinsam zurück und stellen die Ordnung her.

Praxis-Tipp: Nenne in der Spielbesprechung nur eine Gegenpressing-Regel, zum Beispiel: „Die drei Spieler, die dem Ball am nächsten sind, gehen sofort drauf; alle anderen sichern.“ Eine einfache Regel wird im Spiel eher umgesetzt als ein ganzes Konzept.

Umschaltspiel nach dem Ballgewinn

Ob du nach dem Ballgewinn schnell kontern oder die Mannschaft erst ordnen musst, hängt davon ab, wo der Ball gewonnen wurde und wie viel Raum offen ist. Das beschreibt die FA in ihrem Überblick zu den Spielphasen: Der Ort des Ballgewinns und der verfügbare Raum entscheiden, ob die Mannschaft in den Aufbau, die Kreation oder den Abschluss geht. Beim Wechsel vom Angriff zur Verteidigung heißt der Kernpunkt „cover and recover“: zurück in die Ordnung und den passenden Zugang zum Ballgewinn wählen.

Praktisch bedeutet das: Wer im Zentrum gewinnt, hat meist gute Umschaltmöglichkeiten. Der erste Pass nach dem Ballgewinn geht idealerweise zu einem freien Mitspieler und nicht unter Druck zurück zum Gegner. Eine einfache Absprache vorab, wer sich nach Ballgewinn sofort anbietet, spart Zeit.

Drei Übungen für das Pressing

Übung 1: 4 gegen 4 plus 3 Neutrale

Ziel: Passwege schließen und Überzahl in Ballnähe herstellen.

  • Feld: 30 × 25 m, mit Hütchen abgesteckt.
  • Spieler: 4 gegen 4, dazu drei neutrale Spieler, die immer für die Mannschaft im Ballbesitz spielen (2 an den Längsseiten, 1 im Zentrum).
  • Regeln: Die Mannschaft im Ballbesitz spielt mit den Neutralen in Überzahl (7 gegen 4). Die verteidigende Mannschaft versucht den Ball zu erobern. Gelingt das, gibt es einen Punkt; schafft das Ballbesitzteam 10 Pässe, bekommt es einen Punkt.
  • Dauer: 5 Durchgänge à 3 Minuten.
  • Coaching-Punkte: Anlaufen mit Bogen, damit der Passweg in die Mitte zu ist. Der zweite Spieler sichert im Deckungsschatten. Nicht zu hungrig auf den Ball zugehen, sondern Auswege mit einplanen.
  • Variation: Leichter: nur zwei Neutrale. Schwerer: Neutrale auf zwei Ballkontakte begrenzen.

Übung 2: 6 gegen 6 mit Pressingzonen

Ziel: Kompakt gemeinsam verschieben und Auslöser erkennen.

  • Feld: 40 × 30 m, in drei Zonen zu je etwa 13 m Länge unterteilt. Je ein Minitor an den Enden.
  • Spieler: 6 gegen 6, ohne Torwart, plus ein Trainerjoker für die Mannschaft im Ballbesitz.
  • Regeln: Pressing ist nur in der mittleren und in der gegnerischen Zone erlaubt. Die Mannschaft ohne Ball startet das Pressing erst nach einem der abgesprochenen Auslöser (zum Beispiel Rückpass oder Pass auf die Außenbahn). Gewinnt sie den Ball, darf sie direkt auf das Minitor spielen.
  • Dauer: 4 Durchgänge à 4 Minuten, 90 Sekunden Pause.
  • Coaching-Punkte: Reihen schieben gemeinsam, die Abstände bleiben eng. Der ballferne Spieler rückt nicht zu weit ein, damit ein Seitenwechsel abgesichert bleibt. Nach einem Zugriff muss mindestens ein Mitspieler mit Abstand sichern.
  • Variation: Schwerer: Das Pressing gilt nur, wenn mindestens drei Spieler an der Aktion beteiligt sind. Leichter: Die Auslöser werden vorher laut angesagt.

Übung 3: Gegenpressing-Spielform 5 gegen 5

Ziel: Sofort nach Ballverlust gemeinsam Druck machen oder gemeinsam zurückfallen.

  • Feld: 35 × 25 m mit zwei großen Toren und Torhütern.
  • Spieler: 5 gegen 5 plus zwei Torhüter.
  • Regeln: Verliert ein Team den Ball, hat es fünf Sekunden Zeit, ihn zurückzuerobern. Gelingt das, gibt es einen Extrapunkt zum Tor. Gelingt es nicht, muss das Team in eine Grundordnung hinter dem Ball zurückfallen. Der Trainer zählt laut mit.
  • Dauer: 6 Durchgänge à 3 Minuten, 60 Sekunden Pause.
  • Coaching-Punkte: Die nächsten zwei Spieler gehen sofort auf den Ballführenden, die anderen verstellen Passwege. Wer weit vom Ball ist, sichert zur Mitte. Entscheide nach zwei Sekunden: weiter pressen oder fallen lassen.
  • Variation: Leichter: sieben Sekunden. Schwerer: Der erste Pass nach dem Ballgewinn muss ein Vorwärtspass sein.

Die Fünf-Sekunden-Regel ist eine Trainingsvereinbarung, die sich an der oben genannten Faustregel orientiert, kein Messwert.

Typische Fehler im Pressing

Peter zeigt in seinem Beitrag anschaulich, woran Pressing häufig scheitert:

  1. Zu forsch anlaufen. Der Spieler will den Ball zu sehr und lässt sich ausdribbeln, weil er Richtungswechsel nicht mehr mitgehen kann. Coaching: nicht zu gierig attackieren, Auswege bedenken.
  2. Anlaufen ohne zu lenken. Der Gegner kann in die gefährliche Richtung ausweichen. Seitlich stellen und den inneren Weg versperren.
  3. Falsche Staffelung der Stürmer. Stehen beide auf einer Höhe, kann der Gegner in den Rücken gespielt werden. Eine Tiefenstaffelung schließt den Weg.
  4. Sechser zu zentral. Wird der ballnahe Sechser nicht weit genug zum Pressingflügel geschoben, kann der Ball an ihm vorbei in die Tiefe gespielt werden.
  5. Keine Absicherung gegen den Diagonalball. Wenn keine Spitze Druck macht, kann der Gegner den Ball auf die andere Seite schlagen. Die Mannschaft sollte schräg zurückweichen und gleichzeitig verschieben.

Körperliche Anforderungen

Hohes Pressing verlangt laut Spielverlagerung viel Ausdauer und ständige Aufmerksamkeit. Nach einem Ballgewinn folgt sofort die Umschaltsituation, die Belastung endet also nicht mit dem Zweikampf. Wenn du das Pressing höher einstellen willst, plane die Ausdauerarbeit mit ein; im Artikel zum Ausdauertraining im Fußball findest du Methoden dazu. Wählst du eine niedrigere Pressinghöhe, sparst du Kräfte, brauchst aber ebenso eingeübte Abläufe.

Dein nächster Schritt

Wähle für die nächsten zwei Wochen eine Pressinghöhe und zwei Auslöser aus und trainiere beides in Übung 2. Zur passenden Grundordnung liest du im Artikel zum 4-3-3-System nach, wie das Pressing aus einer Dreierreihe im Angriff aussieht. Ein Vergleich mit anderen Systemen steht im Überblick der Formationen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert Gegenpressing, bevor die Mannschaft zurückfällt?

Eine feste Zeit gibt es nicht. Als Faustregel nennen Trainer oft etwa fünf Sekunden; eine in der Forschung zitierte Analyse berichtet, dass die Gegentorgefahr stark steigt, wenn der Ball nicht innerhalb von fünf Sekunden zurückerobert wird. Klare Absprachen, wann ihr abbrecht, sind wichtiger als die Zahl.

Funktioniert Pressing auch mit wenig Training?

Ja, wenn du die Höhe anpasst. Mittelfeldpressing und kompaktes Verschieben verlangen weniger Laufleistung als dauerhaftes Angriffspressing, brauchen aber trotzdem eingeübte Abläufe.

Quellen

  1. Pressing im Fußball: Taktische Varianten in Analyse und Vergleich (Ralf Peter, DFB-Sportlehrer) Bund Deutscher Fußball-Lehrer, Internationaler Trainer-Kongress 2012 · abgerufen am 28. Oktober 2026
  2. Pressing Spielverlagerung.com (Glossar) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  3. Counterpressing Spielverlagerung.com (Glossar) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  4. Defensive transition in soccer: are prompt possession regains a measure of success? A quantitative analysis of German Fußball-Bundesliga 2010/2011 Journal of Sports Sciences (Vogelbein, Nopp & Hökelmann, 2014) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  5. The Success Factors of Rest Defense in Soccer: A Mixed-Methods Approach of Expert Interviews, Tracking Data, and Machine Learning Journal of Sports Science & Medicine (Forcher u. a., 2023) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  6. What are the game phases in football The FA Learning (England Football) · abgerufen am 28. Oktober 2026
  7. Spielaufbau unter Gegnerdruck (Christian Wück, DFB-Sportlehrer) Bund Deutscher Fußball-Lehrer, Internationaler Trainer-Kongress 2014 · abgerufen am 28. Oktober 2026